über [on:] digital art

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Foto: Bernd Arnold


Mitte der 80er Jahre begann ich mit Computern zu arbeiten. Zunächst um meine Partituren und das Orchestermaterial zu drucken, zunehmend aber auch zur Musikproduktion im eigenen Studio. (CDs, Filmmusik, Medien)), sowie meiner privaten Zahlentheorieforschung. Mittlerweile ist der Computer zu meinem Instrument geworden.

Räumliches Denken und Empfinden war schon immer ein zentrales Thema für mich.
In der Musik war die Konsequenz vom Stereomix mit Links, Rechts und Tiefe zu Surroundproduktionen überzugehen. 2011 suchte ich dann zu meinen Surroundproduktionen nach Möglichkeiten zur konsistenten Generierung von Surroundvideo. So stieß ich auf 3D-Fraktale, deren Berechnungsgrundlagen erst 2007 gefunden wurden. Nun wurde meine zweite Begabung, die ich seit meinem Abitur als Hobby betrieben habe, die Mathematik/Zahlentheorie noch wichtiger als zuvor bei der Komposition.

Die Möglichkeiten der gebrochenen (fraktalen) Dimensionen haben mich in ihren Bann gezogen, ähnlich wie mich in meiner Kindheit u.a. die Bilder M.C. Eschers faszinierten. Das Prinzip der Selbstähnlichkeit entspricht sehr Vielem in der Natur und wirkt trotz der Computergenerierung organisch. Iteration ist nicht nur zeitlicher Ablauf sondern auch räumliche Bewegung, analog der Sequenzierung und Reihentechnik in der Musik.

Die intensive Beschäftigung mit komplexen Zahlen (Quaternionen, Oktionen, etc.) und ihrer Anwendung bei Fraktalen führte mich u.a. auch zum 4-dimensionalen Raum, den regelmäßigen Körpern von Ludwig Schläfli, der stereographischen Projektion, immer wieder zur Riemannschen Vermutung, der Frage nach Raumstruktur(en) allgemein und unseren Fähigkeiten dies zu erfassen, zu erleben. Diese Erweiterungen der Raumvorstellung, insbesondere die Gegenüberstellung mit Einsteins Spacetime Modell (3D +Zeit), werfen viele klassische Fragen der Kunst erneut auf. Wahrnehmung, Empfindung und Identität.

Eine andere neue Art digitaler Kunstwerke ist die Möglichkeit mit eigenen Algorithmen in Anwendersoftware (z.B. Python in Rhino/Grasshopper, vvvv, etc.) zu arbeiten. Die Möglichkeiten der sich als eigenständig etablierenden Kunstsparte der digitalen Kunst werden zunehmend vielfältiger und eröffnen immer neue Möglichkeiten.

Die Programmierung eigener Software ist ebenfalls ein kreativer Prozess und unterliegt oft den gleichen schöpferischen Abläufen wie das Erstellen eines Kunstwerkes. Deshalb betrachte ich meine Software als eine Art angewandte Kunst.